„Bloggen ist eben nicht nur das Veröffentlichen.“ Gitte Härter im Interview

Autorin und Schreibcoach Gitte Härter

Bloggerin Gitte Härter. Foto: Gitte Härter

Heute gibt es mal wieder ein Interview – und das hat es in sich! Autorin und Schreibcoach Gitte Härter bloggt bereits seit über 15 Jahren (!!!) und hat sehr viele Tipps und Tricks für dich parat, damit du noch besser bloggen kannst. Besonders ihre Ideen zur Themenfindung wirst du lieben!

Und noch ein kleiner redaktioneller Hinweis: Ab dem 21. Juli 2014 werden aufgrund der Sommerpause bis auf Weiteres nur noch zwei Artikel pro Woche erscheinen, jeweils montags und freitags.

BfsF: Liebe Gitte, in meinem letzten Interview hat mir Sandra Schwarz empfohlen dich zu interviewen. Jetzt ist es also soweit :) Bitte stelle dich und deine Blogs meinen LeserInnen kurz vor. 

Gitte Härter: Das ist total nett von Sandra Schwarz, dass sie mich fürs Interview vorgeschlagen hat. Danke noch mal :)

Ich bin x-fache Buchautorin, Schreibcoach und Schmarrnproduzentin. Das heißt: Das mit dem Schmarrn ist neu dazugekommen. Denn Schmarrn, also Unsinn, macht mir großen Spaß und ich bin ziemlich gut darin. Also warum nicht den Schmarrn ins Business aufnehmen?

Momentan habe ich noch drei Blogs:

Unternehmenskick.de – Die coolste Selbstständigenseite im Netz. Das habe im Mai aus Neuausrichtungs- und Zeitgründen aufgehört. Derzeit ist es aber noch online und enthält Hunderte guter Tipps für EinzelunternehmerInnen.

Schreibnudel.de – Das ist meine Seite mit Schreibtipps und wöchentlichem Newsletter, denn mit dem Schreiben verdiene ich hauptsächlich mein Geld.

Himbeerwerft.de – Das ist meine neue Businesszentrale. Ich bin jetzt über fünfzehn Jahre selbstständig und kremple gerade alles um. Das Blog auf der Himbeerwerft ist mein Privatvergnügen. Hier gebe ich mal keine fachlichen Tipps, sondern schreibe und zeichne zur Gaudi, was mir so einfällt, was mich zum Lachen bringt und was mich so interessiert. 

BfsF: Wann hast du angefangen zu bloggen und aus welcher Intention und Motivation heraus bist du damals gestartet? 

Gitte Härter: Seit Beginn meiner Selbstständigkeit in 1999 schreibe ich Artikel im Netz. Damals gabs das Web 2.0 noch nicht und damit auch noch keine Blogs. Das ändert aber nichts dran, dass ich in der Prä-Blog-Ära schon konsequent Wissen verschenkt habe, indem ich – seinerzeit mit meiner damaligen Geschäftspartnerin – regelmäßig Tipp-Texte auf unserer Website veröffentlicht habe. Mit dem „richtigen“ Bloggen habe ich 2008 angefangen, als wir mit unternehmenskick.de gestartet sind.

Die Intention war immer Marketing. Ich habe gebloggt, um meine über zwei Dutzend Bücher und meine Kaufleistungen zu pushen. Mir ist es schon immer sympathischer gewesen zu demonstrieren, wie ich drauf bin und dass ich was auf dem Kasten habe. Diese Rechnung geht auch auf: Von Anfang an kommen Kunden von sich aus zu mir, und zwar zu 99 % genau die, die ich haben will. Und die wissen auch schon von vornherein, mit wem sie es zu tun haben.

Darüber hinaus gibt es natürlich viele BlogleserInnen, die noch nie was gekauft haben und es vielleicht nie tun. Da freue ich mich, wenn ich höre, was meine Texte alles so bewirken und dass sich eine richtige kleine Fangemeinde entwickelt hat über die Jahre. 

„Wenn ein Blog bekannter wird, steigt der Arbeitsaufwand“

BfsF: Hat sich deine Einstellung gegenüber dem Bloggen inzwischen geändert? Wenn ja, inwiefern? 

Gitte Härter: Nein, richtig geändert hat sich meine Einstellung zum Bloggen nicht. Meine jetzige Ausrichtung zu noch mehr Schmarrn resultiert allerdings schon daher, dass ich seit über fünfzehn Jahren fast nur Tipp-Texte veröffentlicht habe und da zwar über die Jahre immer lockerer geworden bin, um mir selbst den Spaß zu erhalten, aber jetzt gemerkt habe, dass ich viel mehr zur Unterhaltung bloggen will.

Was sich verändert wenn ein Blog bekannter wird, ist, dass der unbezahlte Arbeitsaufwand steigt. Bei unternehmenskick.de zum Beispiel habe ich vor geraumer Zeit die Kommentare abgestellt, weil es mir einfach zu viel an Verwaltungsaufwand war. Außerdem ist meine Offenheit und Hilfsbereitschaft bei den Kommentaren als Einladung verstanden worden, mir täglich dutzendweise „könnten Sie mal kurz“-Mails zu schicken. Das wurde einfach zu viel, und besonders die „Ich sehe, Sie haben Hunderte von Tipps auf Ihrer Website, aber ich hab keinen Bock zu lesen, beantworten Sie mir mal diese zweiundzwanzig Fragen“-Mails sind mir auf den Geist gegangen.

Das mit den Kommentaren ist aber eh im Umbruch momentan, weil sich viel mehr auf Social Media-Plattformen verlagert hat.   

BfsF: Arbeitest du mit einem Redaktionsplan? Wie sieht dein Blog-Alltag und Workflow aus? 

Gitte Härter: Früher, als ich noch mit anderen gemeinsam gebloggt habe, haben wir uns im Voraus abgestimmt, damit wir weder zu ähnliche, noch zu einseitige Themen auswählen. Ich selbst blogge nicht mit Redaktionsplan, zumal ich sehr schnell produziere. Meistens habe ich aktuell ein Thema, das mich interessiert – oder aber ich halte meine Kategorien im Blick, schaue also, wo ich schon länger nichts mehr geschrieben habe und überlege mir dann gezielt was, damit ich mein Blog ausgewogen fülle und keine Dümpelkategorien habe.

Aber das mache ich nicht streng, denn ich mag nur über Sachen schreiben, die mich gerade anmachen und keine Pflichtveranstaltung draus machen.

Da ich mein Business seit Jahren nur per Internet abwickle, bin ich in der Regel eh am Schreibtisch – und schreibe dann zwischendurch mal einen Blogbeitrag. Oder ich sitze, wie jetzt eben, mit meinem Netbook in einem Coffeeshop.  Seit einiger Zeit mache ich zwischendurch auch Audio-Beiträge und vor allem Videos.

Für mich gilt beim Bloggen: Es muss für meine LeserInnen immer nützlich sein. Es soll vielseitig bleiben. Und es muss schnell gehen, denn das Bloggen bezahlt mir niemand. Das bläue ich auch meinen Kunden so ein, denn gerade in puncto Schnelligkeit – bei gleichzeitig hohem Nutzen versteht sich – gibt’s da bei den meisten BloggerInnen kräftig was zu optimieren.

„Dass einem Blogger die Themen ausgehen – das ist unmöglich!“

BfsF: Dein Blog schreibnudel.de ist inzwischen schon sehr umfangreich und deine Artikel sind häufig sehr ausführlich. Wie findest du Themen, über die du schreiben möchtest? Was inspiriert dich?

Gitte Härter: Themen ergeben sich entweder aus aktuellen Coachings und Workshops, wo eh immer Dauerbrennerthemen aufkommen. Denn in jedem Fachgebiet, eben auch beim Schreiben, gibt es die klassischen Bereiche, wo Leute immer wieder Fragen haben, Fehler machen oder besser werden können.

Oder ich sehe was im Alltag/mir passiert was, das die Initialzündung für einen Beitrag gibt.

Oder ich schaue, wie gesagt, welche Kategorie wieder einen Beitrag vertragen könnte und überlege gezielt, was ich dazu schreiben will.

Oder ich beantworte eine aktuelle Frage, die in einem Kommentar, auf Social Media oder per eMail aufgekommen ist.

Oder ich stelle mir eine besondere Aufgabe: Zum Beispiel wenn ich mir denke „ein Formular wär‘ mal wieder recht“, wie kann ich das besonders machen oder mich fordern, mir was Witziges oder besonders Schlaues auszudenken.

Mich erstaunt immer, wenn BloggerInnen Angst haben, dass ihnen die Themen ausgehen könnten. Denn das ist unmöglich!

Da kommt dann das „Plankton“ ins Spiel, das meine LeserInnen schon kennen, weil ich es ständig betone. Plankton heißt: Gerade für Blogtexte, die ja meist kürzer sind, ist es wichtig, ein kleines, scharf definiertes Thema zu bestimmen und nicht zu fette Themen zu wählen. Denn wenn man zu viel in einen Text reinstopfen will, bleibt man zu stark an der Oberfläche. Das führt zum gefürchteten Frauenzeitschriftenniveau. Dann schreibt man den Lesern das, was sie eh schon wissen, und hunderttausend Mal woanders gelesen haben. Vor allem aber geht man viel zu grobmaschig über seine komplexen Fach- und Erfahrungsbereiche hinweg. Bei Selbstständigen vergibt man Chancen, sich zu zeigen. Schlimmstenfalls schadet man seinem Business sogar, weil man den Eindruck erweckt, die Dinge zu trivialisieren oder kein besonderes Know-how zu haben.

Wenn man Plankton-Themen wählt, also in die Tiefe geht und zudem Flagge zeigt, also nicht einfach nüchterne Infos an die Leser hinschreibt, sondern MIT seinen Lesern spricht, dann wird ein Blog richtig nützlich, vielseitig und persönlich. 

BfsF: Generierst du über deinen Blog Einnahmen, beispielsweise aus Affiliate-Programmen? Oder nutzt du ihn zur Kundenakquise? 

Gitte Härter: Ich blogge zur Imagebildung, Kundenakquise und darum, eng mit meinen Lesern und bestehenden Kunden im persönlichen Kontakt zu bleiben.

Partnerprogramm hab ich nur amazon.de eingebunden, weil ich öfter mal Bücher oder Produkte empfehle, die mir gefallen und die ich auch privat nutze. Ich gehe nie auf Angebote ein, Fremdwerbung für ein paar Kröten zu machen, da verscherzt man sich die Glaubwürdigkeit und ich mag das als Leserin auch nicht, wenn mir Werbung untergeschoben wird.

Ansonsten erwähne ich im Blog, dass ich mich über ein freiwilliges Honorar oder etwas von meinem Amazon-Wunschzettel freue. Das machen manche LeserInnen auch – aber nur sehr sporadisch.

Das ist übrigens sehr schade, dass sich das Bloggen selbst nicht rechnet, außer man macht die Werbeschubladen auf. Wenn sich der Verwaltungs- und Schreibaufwand auch finanziell lohnen würde, könnte man viel mehr gezielt Inhalte produzieren, seinen Lesern noch mehr bieten. Als ich das mit dem freiwilligen Honorar eingeführt habe, das früher nicht in Form eines Gutscheins, sondern Überweisung möglich war, haben mit viele treue LeserInnen gesagt „10 Euro kommt mir so almosenmäßig vor“ und haben dann lieber nichts überwiesen. Aber man muss es so sehen: Wenn jede/r meiner LeserInnen für ein ganzes Jahr mal nur 10 Euro als Trinkgeld bezahlen würde, dann wäre das Blog ein Teil des Business, das bezahlt wird, und nicht immer noch nebenbei passiert. Das wertet das Bloggen auf und es würde erlauben, sich noch intensiver den Inhalten zu widmen.

Gleichzeitig sind zehn Euro für das, was man ein ganzes Jahr lang an Tipps für sich bekommt, für die Leser selbst lächerlich, nicht mal ein Euro pro Monat! Die Masse an Lesern unterschätzt, wie sich für einen Blogger auch kleine Beträge summieren.

Dass Blogs als Marketingwerkzeug verstanden werden und man im Netz davon ausgeht, dass alles kostenlos ist, ist nachvollziehbar. Denn gerade für uns Selbstständige ist ein Blog einfach ein gutes Marketingwerkzeug und damit wieder gut investierte Zeit (wenn man den Aufwand für’s Contentproduzieren sinnvoll eindämmt). Mir erspart das Bloggen – übrigens in Kombination mit einem eMail-Newsletter – seit vielen Jahren die aktive Akquise, indem es dafür sorgt, dass Aufträge einfach reinkommen! Das ist schon sehr cool. 

„Wir bloggen, damit wir gelesen werden“

BfsF: Was ist dein absoluter Geheimtipp zum Thema Bloggen? 

Gitte Härter: Mei, einen Geheimtipp hab ich keinen. Aber was oft total vernachlässigt wird, ist das Blogmarketing. Wir bloggen ja, damit wir gelesen werden.

Immer, wenn es ums Internet geht, glauben erstaunlich viele Leute, dass es reicht wenn man was ins Netz stellt. Oder sie stürzen sich auf Suchmaschinenoptimierung und hoffen, dass dann die Technik einem massig Leser zuschanzt.

Dann hat man vielleicht sogar ein super Blog, in das man regelmäßig Zeit steckt und Inhalte produziert wie blöd – vielleicht schafft man sogar ganz nette Zugriffszahlen. Doch besonders, wenn man fürs eigene Business bloggt, muss einen die relevante Zielgruppe kennen, die, die einen auch beauftragt. Darum ist es schon die eigene Verantwortung, sein Blog kontinuierlich bekanntzumachen.

Bloggen ist eben nicht nur das Veröffentlichen. 

BfsF: Zum Abschluss: Welche bloggende, „schlaue Frau“ soll ich deiner Meinung nach auf meinem Blog als nächstes interviewen?

Gitte Härter: Andrea Joost von http://www.andreajoost.de/blog/ – ihr Business-Blog um „wirkungsvolles Reden und sprachliche Cleverness“ ist gerade ein Jahr alt. 

BfsF: Danke, dass du dir Zeit für BfsF genommen hast :)

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